Blende & Belichtungszeit

Draufhalten und abdrücken” kann jeder! Richtig gute Bilder entstehen dabei aber nur selten. Wer die Zusammenhänge von Blende und Belichtungszeit verinnerlicht hat, fotografiert sicher besser und kreativer. Spätestens seit dem es digitale Kameras gibt, finde ich, steht dem Spiel- und Experimentierspaß nichts mehr im Wege. Es entstehen keine (hohen) Filmkosten mehr und jede Einstellung kann (zumindest ungefähr) am Kameramonitor gleich betrachtet werden. Die prinzipielle Funktion ist immer gleich. Das durch die Blende reduzierte Licht fällt eine Zeitspanne (Belichtungszeit) auf den Film oder Sensor. Je mehr Licht auftrifft, desto heller wird der Bildpunkt. Die Blende ist also das richtige Werkzeug für Schärfe oder Unschärfe.

Eine offene Blende selektiert Bildelemente, eine geschlossene verbindet sie. Der Blendenwert gibt an, wie groß der Blendendurchmesser im Verhältnis zur Objektivbrennweite ist. Klingt am Anfang kompliziert und verwirrend. Aber man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Durch eine große Blende (zum Beispiel f2,8) fällt mehr Licht als durch eine kleine (zum Beispiel f11). Wenn sich die Blendenzahl verdoppelt, dann verengt sich die Öffnung und lässt nur mehr ein ¼ des Lichtes auf den Sensor. Wenn also ein Foto mit 1/125 Sekunde Belichtungszeit und Blende f4,0 richtig belichtet wird, dann führt auch die Kombination 1/60 Sekunde (1 Wert kleiner) und Blende f5,6 (1 Wert größer) zur gleichen richtigen Belichtung. Wozu das gut ist?

Mit der Blende kannst Du, den Bereich Deines Fotos, das scharf abgebildet wird, steuern. Dies nennt man auch Tiefenschärfe/Schärfentiefe (beide Begriffe sind identisch). Je kleiner die Blende, desto größer ist der Schärfentiefebereich. Z.B. setzen Fototografen bei Portraitaufnahmen gerne gezielte Unschärfe ein. Von der Nasenspitze bis zu den Augen ist das Bild scharf. Alles rundherum verschwimmt in Unschärfe und lenkt so vom Portrait nicht ab. Interessant ist natürlich das Zusammenspiel des so genannten „Exposure Triangle” (Blende, Belichtungszeit und Lichtempfindlichkeit).


f16
Große Schärfentiefe - Die kleine Blendenöffnung lässt nur wenig Licht auf den Sensor, ist aber optimal, wenn Du alle Bereiche im Foto scharf haben möchtest. Jedoch tritt hier die Gefahr der Beugungsunschärfe auf.
f8
Mittlere Schärfentiefe - Um ausgewählte Bildelemente scharf abzulichten optimal. z.B. für Gruppenaufnahmen. Ermittel am besten die günstigste Arbeitsblende für dein Objektiv.
f1,8 
Kaum Schärfentiefe - Damit trennst Du Vorder- und Hintergrund deutlich voneinander.

Blendenzahlen/Blendenwerte und ihre Wirkung

Blendenzahlen sind keine physikalischen Größen, mit denen der Blenden­durch­messer ange­geben wird, sie beschreiben nur das Verhältnis zwischen Öffnungs­durch­messer und Brenn­weite. Warum springt die Zahl bei einer vollen Blendenstufe von f2,8 auf f4, dann von f5,6 auf f8? Der Grund für die Sprünge auf der Skala liegt darin, dass der Licht­einfall nicht vom Durch­messer der Blenden­öffnung abhängt, sondern von der Fläche. [Kleine Schul­auf­frischung: Die Fläche eines Kreises berechnest Du mit der Formel: Fläche = r2 * Π = (d/2)2 * Π. Es ist also das Quadrat der f-Zahl, die entscheidend ist:


2 mal 2 = 4 / 2,8 mal 2,8 ∼ 8 / 4 mal 4 = 16 / 5,6 mal 5,6 ∼ 32 / 8 mal 8 = 64.
Die Quadratzahlen der f-Skala-Werte ergeben somit die logische Sequenz von 4, 8, 16, 32, 64, …

große Blendemittlere Blendekleine Blende
f1,4 f2 f2,8 f4 f5,6 f8 f11 f16
Offene Blende Geschlossene Blende
<== Weniger Schärfentiefe Mehr Schärfentiefe ==>

Vignettierung überlisten

Vignettierung entsteht verstärkt bei Weitwinkelobjektiven. Durch die starke Krümmung der Linse gelangt nicht genug Licht in die Ecken. Sie werden nicht im gleichen Maße belichtet wie das übrige Foto. Es gibt 2 Möglichkeiten dies zu vermeiden.


Bei offener Blende ist die Vignettierung am stärksten ausgeprägt. Um 1 oder 2 Stufen abblenden bringt bereits Besserung, ab 3 Stufen verschwindet sie meist mehr oder weniger vollkommen.
Vermeide bei Weitwinkelaufnahmen große Flächen mit einer Farbe (wie. z.B. blauer Himmel). In solchen Bereichen ist die Vignettierung am deutlichsten zu sehen.

Belichtungszeit

Dafür gibt es keinen Idealwert. Möchtest Du Dein bewegtes Motiv „schockfrieren”, dann ist ein möglichst kleiner Wert optimal. Flüsse, Bäche oder Wasserfälle wirken so fotografiert oft ein wenig tot. Da hilft auch ein Nachbearbeiten am PC kaum mehr. Gleiches gilt für Flugzeugpropeller oder Karussells. Die längere Belichtungszeit haucht den Szenen buntes Treiben und Leben ein. Verwackelst Du immer wieder Fotos, dann hast Du zu unruhige Hände - und kannst entweder ein Stativ oä. verwenden oder die Belichtungszeit kürzen, sofern es die Lichtverhältnisse natürlich zulassen. Bei Letzterem kannst Du Dir durch Erhöhung der Filmempfindlichkeit noch etwas helfen. Ein kleiner Trick bei Aufnahmen an trüben Regentagen: Hierbei wirken die Fotos oft wie mit einem Grauschleier überzogen. Dieser lässt sich mit kleiner Überbelichtung (+¼ oder +½ Belichtungskorrektur) ein wenig mildern.