Günter Grass erhält Einreiseverbot in Israel


Günther Grass kritisiert die Israelische Regierung und deren Politik. Israels Innenminister Jischai (Schas-Partei) verbietet dem Schriftsteller dafür die Einreise in den jüdischen Staat.



Schas war von 1992 bis September 1993 an der von der Arbeitspartei angeführten Regierung beteiligt, verließ die Koalition jedoch nach Auseinandersetzungen mit Meretz über die Bildungspolitik. Frauen dürfen in der Partei keine öffentlichen Ämter bekleiden. Ab 1996 war Schas in der Likud-geführten Regierung mit zwei Ministern vertreten. Die Partei verließ dieses Bündnis, um Ehud Barak von der Arbeitspartei zu unterstützen. Ab 2001 unterstützte Schas Ariel Scharons Likud-Regierung.

Auch der 2006 neu gebildeten israelischen Regierung unter Ministerpräsident Ehud Olmert von der Kadima-Partei gehört Schas an. Sie stellt dort mit Eli Yishai (Industrie, Handel und Arbeit), Ariel Atias (Kommunikation), Meshulam Nahari und Jitzchak Cohen vier Minister. In den Knessetwahlen von 2009 erhielt Schas elf Sitze und ist in der gegenwärtigen Regierung unter Benjamin Netanjahu mit vier Ministern vertreten. Yishai ist einer von vier stellvertretenden Ministerpräsidenten und Innenminister.

Spirituelles Oberhaupt ist Rabbiner Ovadja Josef, ein früherer sephardischer Oberrabiner Israels.

Er wurde in Bagdad unter dem Namen Abdullah Youssef geboren und wanderte im Alter von vier Jahren zusammen mit seinen Eltern nach Jerusalem aus. Mit 20 Jahren erhielt er die Semicha, die rabbinische Ordination. Er amtierte als Oberrabbiner von Ägypten sowie von Tel Aviv und Haifa. Als religiöse Autorität hat er zahlreiche halachische Entscheidungen getroffen. Einige Beispiele:

  • Tragen von Hosen für Frauen.
  • Das Zahlen von Steuern an den Staat, obwohl dieser zionistisch ist und von streng religiösen Juden abgelehnt wird.
  • Die vollständige Anerkennung der Falascha und der Falaschmura (der äthiopischen Juden) als ein dem Volk Israel angehöriger Stamm.

2000 erregte er Aufsehen mit der Äußerung, die im Holocaust ermordeten Juden seien "wiedergeborene Sünder" gewesen, die immer "wieder und wieder gesündigt" hätten. Als Reaktion darauf verglich der frühere israelische Minister Lapid ihn mit Jörg Haider. Von arabischer Seite wurde seine Äußerung kritisiert, Palästinenser seien "Übeltäter und Schlangen".

2001 äußerte sich Yosef erneute zum Thema Palästinenser: "Man dürfe keine Gnade gegen sie zeigen und müsse Raketen auf sie schießen und sie ausrotten". Zum Hurrikan Katrina, der im August 2005 ca. 1.800 Amerikaner das Leben kostete, stellte Josef einen Zusammenhang zu den 8.000 Siedlern her, die den Gazastreifen räumen mussten. Josef äußerte sich folgendermaßen: Die Katastrophe sei Gottes Strafe für George Bushs Unterstützung des Abzugs von jüdischen Siedlern aus dem Gazastreifen. Er fügte noch hinzu, dass die Schwarzen getötet wurden, weil sie die Torah nicht studiert hätten:

There was a tsunami and there are terrible natural disasters, because there isn’t enough Torah study... Black people reside there [New Orleans]. Blacks will study the Torah? [God said], Let’s bring a tsunami and drown them... Hundreds of thousands remained homeless. Tens of thousands have been killed. All of this because they have no God... Bush was behind the [expulsion of] Gush Katif, he encouraged Sharon to expel Gush Katif... We had 15,000 people expelled here [in Israel], and there [in America] 150,000 [were expelled]. It was God's retribution. God does not short-change anyone. Da gab es einen Tsunami und da gibt es entsetzliche Naturkatastrophen, weil es nicht genug Torahstudien gibt...schwarze Leute leben dort (New Orleans). Studieren Schwarze die Torah? (Gott) sagte "Lasst uns einen Tsunami schicken und sie ertränken...Hunderttausende verloren ihre Heimat. Zehntausende wurden getötet. Alles, weil die keinen Gott haben...Bush stand hinter der Auflösung (der israelischen Siedlung ) Gush Katif, er ermutigte Sharon Gush Katif ausfzulösen...Wir haben hier 15.000 Vertriebene in Israel und 150.000 Vertriebene in den USA. Es war Gottes Vergeltung. Gott haut niemanden übers Ohr."

In einem öffentlichen Gebet erklärte das geistliche Oberhaupt der Schas-Partei Ende August 2010: "Mögen all die Bösen, die Israel hassen, wie "Abu Masen"(Mahmoud Abbas) und alle Palästinenser, von unserer Welt verschwinden. Möge die Pest sie befallen."

Am 16. Oktober 2010 sorgte der Rabbiner für großes Aufsehen, als er behauptete, alle Nicht-Juden (Goyim) seien auf der Welt, um Juden zu dienen. Gott habe ihnen ausschließlich zu diesem Zweck ein Leben auf der Welt geschenkt.

Elijahu „Eli“ Jischai ist ein israelischer Politiker und Vorsitzender der orthodoxen Schas-Partei.

Seit dem 17. Juni 1996 ist er Mitglied der Knesset. Im amtierenden Kabinett von Benjamin Netanjahu (Likud) ist er Innenminister und einer der vier stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Jischai sieht Einwanderer pauschal als Gefahr und Quelle von Krankheiten wie Aids oder Hepatitis. Asylbewerber sollten in freiwillige Arbeitslager gebracht werden, um dort ihre Unkosten unentgeltlich abzuarbeiten. Homosexuelle seien seiner Meinung nach krank und die palästinensische Hamas möchte er „ausradieren“. Nach verheerenden Waldbränden in Nordisrael Ende 2010 warfen Journalisten Jischai, der für die Feuerwehren zuständig war, Versagen vor und forderten seinen Rücktritt. Am 8. April 2011 verkündete Jischai, dass Günter Grass aufgrund seines umstrittenen Gedichts Persona non grata in Israel sei und erklärte: „Ich sehe es als Ehre an, ihm die Einreise ins Heilige Land zu verbieten“. Grass sei für ihn in die Kategorie „Nazi“ gerutscht. Quelle: Wikipedia

Die Schas-Partei funktioniert ein bisschen wie die bayerische CSU, nur in radikalerer Form: Frömmigkeit gepaart mit übersteigertem Patriotismus und einem inszenierten sozialen Gewissen. Für die Zusage, das Kindergeld zu erhöhen, sind die Ultraorthodoxen in der Vergangenheit so ziemlich jeder Koalition beigetreten.

Moralische Kritik richtet sich vorzugsweise gegen andere - sich selbst gegenüber sind sie gnädiger. Seit ihrer Gründung wurden sieben Schas-Abgeordnete rechtskräftig verurteilt; Jischais Vorgänger Arie Deri musste wegen Korruption für drei Jahre ins Gefängnis gehen, der frühere Gesundheitsminister Schlomo Benisri sitzt derzeit wegen Bestechlichkeit.

Im Sommer wurde ein Schas-Sympathisant verklagt, der gerade eine Ausbildung zum Richter am Rabbinergericht machte. Der Mann hatte eine äthiopischstämmige Parkhaus-Kassiererin angefahren, die sich ihm in den Weg gestellt hatte, weil er nicht bezahlen konnte. Jischai intervenierte vor dem Bezirksgericht. "Eine Verurteilung würde mit großer Wahrscheinlichkeit seine rabbinische und öffentliche Zukunft stören" und damit "vielen Menschen schaden", schrieb der Schas-Vorsitzende in einem Brief.

Der Richter folgte seinem Rat. Erst in zweiter Instanz wurde der Schas-Anhänger verurteilt.


Quelle: Der Spiegel





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